Let's Fetz!

28. Februar 2017

Sorry, aber ihr seid raus!

Christoph Fetzer

Von Christoph Fetzer
@fetzi6

Die Hauptrunde ist vorbei. Zeit, sich von vier Mannschaften zu verabschieden. Die Spieler der Krefeld Pinguine, der Iserlohn Roosters, der Schwenninger Wild Wings und der Düsseldorfer EG können Golfen gehen. Oder Skifahren. Oder was auch immer. Für ihre Teams hat es nicht gereicht. In seiner Kolumne „Let’s Fetz“ erklärt Telekom-Eishockey-Kommentator Christoph Fetzer, warum!

Düsseldorfer EG


Der DEL-Rekordscorer vor Schmerzen gekrümmt, der ganze Verein geschockt. Schon am sechsten Spieltag in der Partie gegen den EHC Red Bull München verletzte sich Kapitän und Identifikationsfigur Daniel Kreutzer schwer an der Schulter und fiel lange aus.



Siebener-Packungen
Die DEG, die in der Vorsaison noch über ihre starke Defensive zum Erfolg gekommen war, kassierte eine Handvoll deutliche Niederlagen. Mathias Niederberger wurde von seinen Vorderleuten zu oft im Stich gelassen. Gegen München (1:7, 3:7) und Mannheim (1:7, 2:7) setzte es gleich zwei Siebener-Packungen, in Ingolstadt (2:7) gab es eine weitere.

Die verzerrte Tabelle Lange hatte die DEG weniger Partien absolviert als die Konkurrenz. Die Hoffnung „Wenn wir die Nachholspiele gewinnen...“ war ein Trugschluss. Am Ende fehlten trotzdem die Punkte. Die verzerrte Tabelle führte die DEG hinters Licht.


Starkes Finish Hinten raus mobilisierte die DEG noch einmal alles. Daniel Kreutzer kam schneller als erwartet zurück, es gab sechs Siege aus den letzten sieben Spielen. Bis zum 52. Spieltag lebte die Chance auf die 1. Playoff-Runde. Es reichte nicht ganz.

Rookie-Riese Maxi Kammerer war in seiner ersten DEL-Saison bester Torschütze seiner Mannschaft. Spielverständnis, Tempo, Torriecher – der 20-Jährige macht Hoffnung auf die nächsten Jahre. Viele andere Spieler haben aber ihren Zenit überschritten, der Kader ist überaltert. In Düsseldorf steht ein Umbruch bevor.


Krefeld Pinguine


Da kommen wir nicht am Trainerwechsel Rick Adduono für Franz Fritzmeier vorbei. Fritzmeier schien die Mannschaft irgendwann nicht mehr zu erreichen. Adduono – sein Vorgänger und Nachfolger – schon. Aber da hingen die Pinguine bereits im Tabellenkeller fest und reagierten teilweise mit Galgenhumor auf die eigene sportliche Situation – wie bei der 0:4-Niederlage in Wolfsburg kurz vor Weihnachten.



Der für immer verlorene Sohn 
Zu sehr versteifte sich die Krefelder Community auf Christian Ehrhoffs Rückkehr. Der wollte lieber mit den Haien um den Titel mitspielen. Wie Verein und Fans mit dieser Entscheidung umgingen und Ehrhoff beim ersten Auftritt in Krefeld begrüßten? Zum Kopfschütteln.    

Keine Tiefe  Hinter der Top-Reihe Daniel Pietta, Marcel Müller und Dragan Umicevic fehlte die Qualität im Kader – in der Offensive wie in der Defensive. Was eigentlich nicht verwundert. Es muss ja einen Grund haben, warum Neuzugänge wie Marco Rosa (aus Wolfsburg), Mark Mancari (aus Augsburg) oder Kyle Klubertanz (aus Nürnberg) bei ihren Ex-Teams keine Zukunft mehr hatten.


Das Leben ist mehr als Eishockey Die Rede von Stadionsprecher Kristian Peters-Lach nach dem Terroranschlag von Berlin löste im Stadion großen Applaus aus und bekam bei Facebook über eine Million Klicks. 

Mach’s gut, Herberts Nach 684 Spielen im Trikot der Krefeld Pinguine beendete DEL-Urgestein Herberts Vasiljevs seine Karriere. Der gebürtige Lette hält mit vier Toren und vier Assists einen bis heute gültigen Rekord in der DEL. Playoffs durfte Vasiljevs nicht mehr spielen. Zum zweiten Mal in Folge war die Saison für Krefeld nach der Hauptrunde zu Ende – dieses Mal sogar auf dem letzten Tabellenplatz.


Iserlohn Roosters


Immer wieder leisteten sich die Iserlohn Roosters in dieser Saison Undiszipliniertheiten. Keine Aktion veranschaulicht das so deutlich wie der Check von Blair Jones gegen Martin Schymainskis Kopf bei der 2:3-Niederlage nach Verlängerung in Krefeld Mitte Januar. Kein Wunder, dass Trainer Jari Pasanen der Kragen platzte („Möchtegern-Superstar!“). Wenig später wird der Kanadier suspendiert, auch sein Landsmann Matt Halischuk muss gehen.


Kanada 1z
Die Roosters haben in dieser Saison bei ihren Neuzugängen danebengegriffen. So gab es den Absturz vom dritten Hauptrundenplatz in der Vorsaison auf Rang 13. Die Abgänge von Spielern wie Brooks Macek (München) und Nick Petersen (Berlin) konnten nicht kompensiert werden. Die Roosters spielten zu selten ihr schnelles Konter-Eishockey. Unter den Neuzugängen waren wieder viele Spieler, die zwar nicht in Deutschland geboren wurden, aber einen deutschen Pass besitzen. „Kanada 1c“ spottete Kölns Moritz Müller in der Vorsaison. In dieser Saison war es eher „Kanada 1z“. 

Auswärts unterirdisch Unerklärlich war die Iserlohner Auswärtsschwäche. Zwischen Ende Oktober und Ende Februar verlor Pasanens Truppe 16 Spiele in Folge auf fremdem Eis. Nur drei Siege, 13 Punkte, 100 Gegentore – eine unterirdische Auswärtsbilanz.


Kurze Bank, viel Einsatz In der Schlussphase steigerten sich die Roosters noch einmal. Die verbliebenen Spieler rissen sich zusammen und spielten nach den Suspendierungen mit kurzer Bank und meist drei Sturmreihen „ihr“ Eishockey. Am Einsatz und der Einstellung gab es nichts mehr zu kritisieren. Doch da war es zu spät.


Schwenninger Wild Wings


Mangelnde Chancenverwertung, zu leichte Fehler – immer wieder stellten sich die Wild Wings selbst ein Bein. Bezeichnend war eine Szene aus dem Heimspiel gegen die Krefeld Pinguine im Oktober. Kurz vor Schluss führen die Wild Wings mit 3:2 und spielen Überzahl. Simon Gysbers verliert im Krefelder Drittel die Scheibe an Daniel Pietta, der trifft per Shorthander, die Pinguine gewinnen das Spiel nach Penaltyschießen.


Kein Killerinstinkt
In den entscheidenden Momenten und Spielen waren die Wild Wings nicht kaltschnäuzig genug. In den direkten Duellen gegen die Mannschaften aus dem hinteren Tabellendrittel gab es zu wenige Punkte. Gegen die Eisbären Berlin, die lange auf dem von den Wild Wings so herbeigesehnten zehnten Platz lagen, setzte es zweimal eine 0:1-Niederlage. Kein einziges eigenes Tor in solch wichtigen Spielen – zu schwach.

Fehlender Knipser In der Vorsaison waren Will Acton (meiste Assists) und Damien Fleury (zweitmeiste Tore) ein gefährliches Duo. Doch Fleury folgte dem Ruf des Geldes aus China – und Acton stand alleine da. Jérome Samson, der von Meister München zu den Wild Wings gewechselt war, konnte Fleurys Knipser-Qualitäten nicht gleichwertig ersetzen.


​​Strahle-Mann & Co. Der eingeschlagene Kurs, langfristig auf deutsche Spieler zu setzen, ist sympathisch. Marc El-Sayed spielte seine beste DEL-Saison, Tim Bender ebenfalls, Dustin Strahlmeier hielt stark. Top-Center Will Acton gefällt es in Schwenningen, er hat einen Vertrag bis 2019. Die Wild Wings sind gelassener als die meisten anderen DEL-Clubs. Vielleicht zu gelassen.

Eishockey-Stadt Schwenningen Obwohl ihre Mannschaft wieder hinten drin hing, kamen die Fans ins Stadion. 4.500 im Schnitt, an anderen Standorten wäre das bei dieser sportlichen Situation undenkbar. Doch unendlich wird die Geduld der Zuschauer nicht sein. Seit ihrer DEL-Rückkehr landeten die Wild Wings immer im Tabellenkeller. Nach einem vorletzten und zwei letzten Plätzen war es in dieser Saison Rang zwölf. Irgendwann müssen einfach sportliche Erfolge her.