Lage der Liga

15. Januar 2018

Schwenningen und die Gründe für den Aufschwung

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

Trainer Pat Cortina und Manager Jürgen Rumrich haben eine Mannschaft geformt, die auf dem besten Weg zum Überraschungsteam der laufenden Saison ist

Vor der DEL-Saison werden Trainer, Sportliche Leiter oder Manager gern nach ihrem Meistertipp befragt. Das war auch vor der laufenden Spielzeit der Fall. Wenig überraschend wurden Teams wie Meister München, Nürnberg, Berlin, Köln oder Mannheim zum engsten Favoritenkreis gezählt. Damit liegt man meistens richtig – oder zumindest nicht ganz falsch. Was allerdings selten diskutiert wird, ist die Frage nach dem Überraschungsteam, denn eines gibt es ebenso in jeder Saison. Dieses Jahr kommt man vermutlich an den Schwenninger Wild Wings nicht vorbei.

Nach dem 3:2-Erfolg bei den Straubing Tigers am Sonntag und der gleichzeitigen Niederlage der Grizzlys Wolfsburg sind die Schwarzwälder nur noch zwei Zähler von Platz vier entfernt. Nach Jahren der verpassten Playoffs  - zuletzt 1996 - träumen die Fans schon seit geraumer Zeit von der heißesten Phase der Saison. „Im letzten Drittel war Straubing klar besser, aber davor haben wir das Spiel beherrscht. Wenn wir nach dem 3:1 den vierten Treffer erzielt hätten, wäre es nicht mehr so spannend geworden“, freute sich Trainer Pat Cortina.

Der ehemalige Bundestrainer hat die von Manager Jürgen Rumrich zusammengestellte Mannschaft in seinem zweiten Jahr zum Erfolg geführt. Erfolg, der natürlich Zeit brauchte. Die Geduld und die harte Arbeit zahlt sich nun offenbar aus. Spieler wie Mirko Höfflin oder Mirko Sacher entwickelten sich unter Cortina zu Leistungsträgern. Auf der Torhüterposition sind Dustin Strahlmeier und Marko Wölfl die Lieblinge der Fans, was wiederum ein Verdienst der Arbeit von Torwarttrainer Ilpo Kauhanen ist.

Die Importspieler um Kapitän und „Starspieler“ Will Acton machen darüber hinaus einen guten Job, kaum einer fällt ab. Im Gegenteil: Akteure wie Giliati, Bartalis, Hult oder Kaijomaa waren zuvor in Deutschland unbeschriebene Blätter. Viele rümpften die Nase, als ein Italiener (Giliati) oder ein Ungar (Bartalis) verpflichtet wurden. Die Kritiker wurden Lügen gestraft.

Simon Danner hatte bereits vor einigen Wochen den Grund für die starke Saison der Schwenninger erklärt: „Wir haben in dieser Saison eine lange Bank. Das bedeutet, dass wir Ausfälle besser kompensieren können. Die jungen Spieler, die reinkommen, machen einen super Job und wir können mit vier Reihen spielen. Letztes Jahr war das schwieriger und dann eben kräftezehrend.“

Ein weiterer Grund: Die Wild Wings sind das fairste Team der Liga. Cortina weißt seine Cracks immer darauf hin, dass man Spiele nicht auf der Strafbank gewinnt. Nur 7,41 Minuten pro Partie sitzt das Team vom Neckarurspung draußen – Platz eins. Das sind noch nicht mal vier kleine Strafen. Zum Vergleich: Die Eisbären Berlin, Letzter in dieser Kategorie, sitzen fast 13 Minuten auf dem Sünderbänkchen.

Natürlich sehnen die Fans die Playoffs herbei, so ganz ohne Qualifikation. Die Spieler wissen um die Euphorie am Standort, müssen aber von Zeit zu Zeit immer wieder daran erinnern, dass die Hauptrunde noch lange nicht beendet ist. „Unser Ziel bleibt Platz zehn. Alles, was darüber hinausgeht, wäre sensationell“, sagte Danner unlängst. Das ist angesichts der Tabelle kein Tiefstapeln, das ist die Realität. Denn so schön der Blick in Richtung Platz vier und Wolfsburg auch sein mag: Auf der anderen Seite ist Platz zehn auch nur fünf Zähler entfernt.

Zumindest machen die Auftritte der Wild Wings in dieser Saison den Fans rund um die Helios Arena großen Spaß. Wie sagte Tobias Wörle so treffend nach dem gestrigen Sieg? „Das Eintrittsgeld lohnt sich in dieser Saison bei unseren Spielen immer. Da ist die vollen 60 Minuten immer irgendwas los.“ Der Wild Wings-Anhang hofft, dass das noch ganz lange so bleibt.