Nationalmannschaft

25. Februar 2018

Olympischer Traum endet für deutsches Eishockey-Team mit Silber

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

3:4 im Finale gegen Russland / 55 Sekunden fehlten zum Olympia-Sieg

Happyend in Silber für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in PyeongChang: In einem hochdramatischen Finale zweier gleichwertiger Kontrahenten musste sich die Nationalmannschaft mit 3:4 (0:1, 1:0, 2:2, 0:1) nach Verlängerung dem haushohen Gold-Favoriten Russland geschlagen geben. Dennoch feierte das deutsche Eishockey einen historischen Triumph und sicherte sich erstmals in der 98jährigen Geschichte des olympischen Eishockeys Silber. Nachdem die deutsche Mannschaft zuvor bereits Weltmeister Schweden und Rekord-Olympiasieger Kanada aus dem Turnier genommen hatte, fehlten diesmal 55 Sekunden für die Sensation: Bis dahin hatte Deutschland sogar mit 3:2 in Führung gelegen.

Im ersten Finale der olympischen Geschichte überhaupt agierten die Männer von Bundestrainer Marco Sturm von Beginn an abgeklärt und erstarrten keineswegs in Ehrfurcht vor den mit KHL-Stars gespickten Russen. Aus einer gut organisierten Abwehr heraus erarbeitete sich das DEB-Team auch in der Offensive gute Möglichkeiten und lieferte den Russen ein Spiel auf Augenhöhe.

Das attestierte auch DEB-Präsident Franz Reindl der Nationalmannschaft in der Drittelpause: „Die Russen haben ziemlich viel Dampf um Kessel, sie können sich aber nicht so stark in Szene setzen wie erwartet.“ Einziger aber entscheidender Wermutstropfen für das DEB-Team: Als bereits alle mit dem leistungsgerechten 0:0 im ersten Drittel gerechnet hatten, zog Vyacheslav Voynov trocken ab und überwand den überragenden Danny aus den Birken im deutschen Tor 0,5 Sekunden vor der Sirene zum 1:0.

„Schade, das war eine kleine Unkonzentriertheit. Die ersten 19 Minuten unseres Teams waren stark. Wir haben nicht viel zugelassen und selbst in Unterzahl gut ausgesehen“, attestierte Reindl dem DEB-Team und wurde vom Mannheimer Marcus Kink bestätigt: „Wir sind heiß, das hier ist noch lange nicht zu Ende.“

Gesagt, getan: Völlig unbeeindruckt von der russischen Führung hielt das DEB-Team die Partie auch im zweiten Durchgang offen und bedrängte seinen Gegner mit kontrolliertem Kampfgeist. Der Lohn: Der verdiente Ausgleich durch den Kölner Felix Schütz (10:28), der die Scheibe durch das Angriffsdrittel der Russen bugsierte und aus halbrechter Position einfach abzog. Russlands Torhüter konnte den Abpraller nicht fixieren, so dass das Spielgerät direkt vom Schoner über die Linie zum 1:1-Ausgleich trudelte.

Ein Treffer, der das Selbstbewusstsein des deutschen Teams weiter stärkte und sich die 10.000 Fans in der Halle ob der Leistung des DEB-Team verwundert die Augen rieben.

„Jetzt ist alles möglich“, sagte Haie-Stürmer Felix Schütz in der Pause und präsentierte das Rezept für den Schlussabschnitt: „Kein Tor zulassen und selbst eins machen.“ Schwer beeindruckt zeigte sich auch Franz Reindl. „Ich hätte nicht gedacht, dass es nach zwei Dritteln hier 1:1 stehen würde. Unser Team lässt wenig zu. Das macht die Russen nervös, sie haben Angst in Konter zu laufen und agieren nicht so souverän, wie man es von ihnen gewohnt ist“, sagte der DEB-Präsident.

Auch im Schlussdurchgang das gleiche Bild: Die Angriffe der ihre Linie suchenden Russen liefen immer wieder ins Leere und brachten kaum Gefahr für das deutsche Tor!

Mit ruhigem Aufbauspiel aus einer kompakten Abwehr heraus liess das DEB-Team die Russen nie zur Entfaltung kommen, was die Euphorie der russischen Fans auf den Rängen erheblich dämpfte. Dies zumal der sprichwörtliche Kombinationswirbel der Russen nur selten zustande kam.

Im Gegenteil: Die vom ehemaligen NHL-Star Christian Ehrhoff organisierte deutsche Abwehr erwies sich ein ums andere Mal als unüberwindliche Wand für die russischen Angreifer. Zumindest bis zur 53 Minute, als Russland aus dem Nichts die neuerliche Führung gelang. Ein Treffer, der die Motivation des deutschen Teams eher anstachelte. Nur zehn Sekunden später schlug das DEB-Team zurück: Einen Pass von Frank Mauer von der Torauslinie verwertete Dominik Kahun aus Nahdistanz zum 2:2!

Von nun an ging es in einem dramatischen Finale Schlag auf Schlag: Deutschland ging durch den Berliner Jonas Müller 3:16 Minuten vor Ultimo mit 3:2 in Front und sah bereits wie der sichere Sieger aus, als verzweifelt kämpfende Russen 55 Sekunden vor Ende doch noch egalisieren konnten und die Overtime förmlich erzwangen!

„Wir sind noch heiß und spielen auf Sieg, wollen uns die Goldmedaille holen“, sagte Christian Ehrhoff vor der Verlagerung und fügte an: „Wenn wir die Russen weiter unter Druck setzen, kriegen wir unsere Chance.“ Auch in der Overtime lieferten sich beide Teams einen Kampf mit offenem Visier - mit dem glücklicheren Ende für die Russen, die von einer Strafe gegen den Nürnberger Patrick Reimer profitierten und in Überzahl nach 09:40 Minuten der Verlängerung durch Kirill Kaprizov den Siegtreffer erzielten.

Für Russland ging damit eine lange olympische Durststrecke zu Ende. Erstmals nach Albertville 1992 konnte sich die Sbornaja wieder mit olympischem Gold krönen und damit die Schmach von Sotschi 2014 tilgen, als das Team überraschend im Viertelfinale ausgeschieden war.

lympische Athleten aus Russland – Deutschland (1:0, 1:0, 2:2)

Tore: 1:0 Vyacheslav Voinov (19:59), 1:1 Felix Schütz (29:32), 2:1 Nikita Gusev (53:21), 2:2 Dominik Kahun (53:31), 3:2 Jonas Müller (56:44), 3:3 Nikita Gusev (59:04/SH1/EA), 3:4 Kirill Kaprizov (69:40/PP1)
Strafminuten: 4-6
Schüsse: 28:24