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13. Oktober 2016

Matthias Plachta: "Vor unseren Fans zu spielen, gibt mir den Kick"

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion
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Mannheimer Nationalstürmer wollte nach einem sportlich bescheidenen Jahr wieder durchstarten, fällt aber jetzt mit Handbruch aus - "Matthias allein zu Haus"

Es passierte am vergangenen Sonntag  bei der 3:6-Heimniederlage gegen den EHC Red Bull München: Matthias Plachta setzte während des Spiels zu einem ganz normalen Check an. Was man als Eishockeyspieler mit einer Körpergröße von fast 1,90 Metern nun mal so macht. Diesmal aber stimmte etwas nicht. „Dabei ist es dann passiert, ich habe irgendwie die Hand unglücklich dazwischen bekommen und sofort den Schmerz gespürt“, seufzt der Stürmer der Adler Mannheim. Die Diagnose bestätigte die schlimmen Vermutungen: Mittelhandbruch und rund zwei Monate Pause.

Frustrierend für Plachta, der sich mit den Adlern in dieser Saison einiges vorgenommen hatte. „Es lief eigentlich alles ganz gut, ich habe mich auf dem Eis wohl gefühlt“, nickt der Nationalspieler und zuckt mit den Schultern: „Es ist schade dass ich der Mannschaft nicht helfen kann, zumal wir ja ohnehin einige Verletzungssorgen haben.“ Spätestens Mitte Dezember möchte Plachta wieder spielen. Aber das entscheiden natürlich die Ärzte, wie er betont.

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Gerade nach einem schwierigen letzten Jahr war es Plachta zu gönnen, dass eine Karriere wieder an Fahrt aufnimmt. In der vergangenen Saison versuchte er sein Glück in Nordamerika. Klar, wenn die NHL ruft, überlegt kein Eishockey-Profi zweimal. Als Kind träumt jeder Spieler davon, es in die beste Eishockey-Liga der Welt zu schaffen. Sich mit den Besten der Besten zu messen. Zu diesem erlauchten Kreis zu gehören. Vielleicht sogar irgendwann seinen Namen auf dem Stanley Cup, dem Heiligen Gral, verewigt zu wissen.

Bei Matthias Plachta war das im Sommer 2015 nicht anders. Nach starken Leistungen in den Playoffs und bei der anschließenden WM in Prag standen dem Meister-Adler alle Türen offen. Die Arizona Coyotes boten dem Flügelstürmer einen sogenannten Zwei-Wege-Vertrag an. Das bedeutete: Plachta eröffnete sich die große Chance auf die NHL.

Um diese Chance zu ergreifen, mussten sogar die Flitterwochen verschoben werden. In Mannheim hatte er seine hübsche Freundin Katharina geheiratet. Danach jettete das frisch vermählte Paar quasi schnell über den großen Teich. Plachta ging das Risiko ein, wohlwissend, dass er auch ins Farmteam in die unterklassige American Hockey League (AHL) zu den Springfield Falcons abgeschoben werden könnte – und so sollte es auch kommen.

Ein gutes Jahr später steht kein NHL-Spiel in der Vita des 25-Jährigen, einmal waren die Coyotes drauf und dran, ihn „hochzuziehen“, überlegten es sich aber doch anders. Nach der Saison setzte sich Plachta mit seiner Frau Katharina zusammen, beide diskutierten das Für und Wider. Schließlich entschieden sie, ihre Zelte in den USA abzubrechen und nach Mannheim zurückzukehren, wo Plachtas Vertrag bis 2020 nur ruhte.

Matthias Plachta über seine Zeit in Amerika

„Die Erfahrung hat mich weitergebracht. Es war richtig, rüberzugehen und die Chance zu suchen."

„Die Erfahrung hat mich weitergebracht. Es war richtig, rüberzugehen und die Chance zu suchen. Ich denke nicht, dass die vergangene Saison ein verlorenes Jahr für mich war, weil ich in den USA viel gelernt habe“, betont Plachta und konkretisiert: „Wegen der kleineren Eisfläche ist das Spiel in Nordamerika schneller und köperbetonter. Man muss in kürzerer Zeit wichtige Entscheidungen treffen.“ Bei der Handlungsschnelligkeit hat sich der gebürtige Freiburger verbessert.

Plachta will das Reife-Jahr keinesfalls schlechtreden. Jedenfalls habe es ihm auch in seiner Entwicklung abseits des Eises vorangebracht. Er leugnet aber nicht, dass er auch das eine oder andere Mal mit dem Leben in den USA gehadert habe. „Es war schon nicht so einfach mit der Kultur und so“, setzt er an. „Das war schon anders als in Deutschland.“

Vor allem in Springfield fehlte es Plachta am Zwischenmenschlichen. Er kam ja gerade aus einer Meistermannschaft, die vor allem mit ihrem Teamgeist in den Play-offs Rückschläge verdaut und hohe Rückstände aufgeholt hatte. Im amerikanischen Profi-Sport wird man aber schnell zu einer Nummer degradiert. Der Konkurrenzkampf ist groß, jeder will in die NHL, da ist man sich selbst der Nächste, das Klima in der Kabine bleibt auf der Strecke.

Plachtas USA-Abenteuer wurde erst mit dem Tausch in die Organisation der Pittsburgh Penguins erträglicher. Er lief zwar nicht für den späteren Stanley-Cup-Sieger auf, die AHL-Play-offs bei den Wilkes-Barre/Scranton Penguins brachten ihm jedoch den Spaß am Eishockey zurück. In der zweiten Runde musste sich Plachtas Klub erst im siebten Spiel den Hershey Bears geschlagen geben. „Wir waren zum größten Teil besser – auch im entscheidenden Spiel“, findet der 25-Jährige.

In Mannheim fühlt sich Plachta nicht als Spieler-„Material“, sondern wertgeschätzt – nicht nur vom Klub. „Ich liebe es, vor unseren Fans zu spielen. Das gibt mir den Kick, den ich brauche. Sie kitzeln aus dir das letzte Prozent heraus, auch wenn du dich mal nicht so gut fühlst.“

Zurück in Deutschland und den nachgeholten Flitterwochen in Italien (Rom und Sizilien) schloss sich Plachta schnell der Sommertrainingsgruppe in Mannheim an, hatte Spaß mit den Jungs. Ob für ihn die NHL endgültig abgehakt ist? Das ist eine relativ unfaire Frage, da niemand wirklich aufhört, davon zu träumen. „Ich konzentriere mich voll und ganz auf die Adler. Aktuell ist die NHL kein Thema für mich“, betont der Linksschütze.

In den kommenden Wochen stehen ohnehin erstmal Reha-Termine auf dem Programm. Die Hand wurde nach der OP zwar nicht engegipst, der Alltag allerdings lässt sich derzeit nicht so leicht bewältigen. „Mit Messer und Gabel zu essen, war schon mal leichter“, hat Plachta seinen Humor jedenfalls nicht verloren. Noch kann ihm seine Frau helfen, aber auch das wird sich ändern. „Katharina beginnt am 1. November ihren Job als Junior-Finanzberater, dann bin ich tagsüber auf mich allein gestellt“, grinst der Nationalspieler. Frei nach dem Motto eines bekannten Filmtitels: „Matthias allein zu Haus“.   

Quelle: Mannheimer Morgen