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6. Oktober 2016

Fabio Pfohl - der Senkrechtstarter mit dem frechen Lächeln

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion
@DELoffice

20 Jahre junger Grizzlys-Stürmer spielte schon unter Christof Kreutzer, Franz Fritzmeier, Uwe Krupp oder Pat Cortina / In Kanada gegen Kanada: "Überragendes Erlebnis" bei den Montreal Canadiens

Fabio Pfohl hat eigentlich immer ein freches Lächeln auf den Lippen, wenn man ihn trifft. Eigentlich. Am vergangenen Dienstag nach dem 1:4 in der Champions Hockey League seiner Grizzlys Wolfsburg gegen den Tabellenführer der Schweizer Nationalliga A, die ZSC Lions, sah das jedoch ganz anders aus. Pfohl war sauer. So wie immer nach Niederlagen. Die wurmen ihn nun mal. „Für uns war mehr drin“, sagte der Stürmer rückblickend.

Da mag er Recht haben. Viel Zeit zum Nachdenken blieb indes nicht. Bereits am Donnerstag machte sich die Mannschaft auf den Weg zum Auswärtsspiel nach Krefeld, wo es am Freitag gegen die Pinguine geht. Mund abwischen, weiter machen lautete das Motto. Der Fokus liegt jetzt wieder auf der DEL.

Und in der hat sich der Shootingstar der vergangenen Spielzeit einen Namen gemacht, ist zum Senkrechtstarter avanciert. Der im bayerischen Mühldorf (Waldkraiburg) geborene Pfohl startete 2015/2016 richtig durch, heimste am Ende sogar den Titel als „Rookie des Jahres“ ein. Nicht ganz überraschend: In 51 Spielen kam der Linksschütze auf beeindruckende 30 Scorerpunkte (8 Tore, 22 Vorlagen). Eine stolze Bilanz nach seiner ersten „richtigen“ Saison.

Fabio Pfohl zur vergangenen Saison

„Für mich als junger Spieler ist die letzte Saison super gelaufen. Mit dieser Ehrung ging ein Traum in Erfüllung.“

„Für mich als junger Spieler ist die letzte Saison super gelaufen. Mit dieser Ehrung ging ein Traum in Erfüllung“, freute sich der Angreifer, der wusste, wem er Dank zollen durfte. „Ich bedanke mich bei meinen Trainern, die mir viel Verantwortung und Eiszeit geben und bei den Mitspielern, von deren Erfahrung ich viel lernen konnte.“   

In der Tat: Besonders Trainer Pavel Gross fördert das Talent, wo er nur kann. Pfohl durfte schon in der letzten Spielzeit bei den Grizzlys schnell sein Können unter Beweis stellen - und rechtfertigte schließlich das Vertrauen der Sportlichen Verantwortlichen mit einer blitzsauberen Leistung.

Was wohl oder ganz besonders an seinem Charakter liegt. Denn trotz seines noch jungen Alters legt der ehemalige Junioren-Nationalspieler ein durchaus freches Auftreten an den Tag. Auf dem Eis sucht er den Abschluss, verteilt Checks und geht mutig in Zweikämpfe. Angst? Nicht bei Pfohl.  

Dass ab und zu nicht immer alles gelingt, ist natürlich auch normal. In Wolfsburg weiß man trotzdem, was Pfohl kann und daher hat man Geduld. „Fabio befindet sich in einem sehr guten Entwicklungsprozess. Er weiß, woran er arbeiten muss und bekommt von uns die nötige Zeit und das Vertrauen – auch im Powerplay. Er darf und soll hin und wieder Risiko gehen. Dass dabei mal ein Fehler passiert, ist normal - auch das gehört zum Lernprozess“, beschreibt Geschäftsführer und Sportmanager Charly Fliegauf das Talent und den gemeinsamen Plan.

Neben dem Eis ist Pfohl, wie beschrieben, eigentlich immer gut drauf und hat gern einen flotten Spruch auf den Lippen. Man könnte es auch flapsig nennen. Ist so seine Art. Vor ein paar Jahren wäre ihm die fast zum Verhängnis geworden, als er mitunter eine zu lasche Einstellung zeigte und nicht immer die nötige Disziplin eines Eishockey-Spielers erkennen ließ. Seine ehemaligen Trainer mussten da schon ab und zu auf den Tisch hauen und Pfohl wieder an seine wesentlichen Aufgaben erinnern. Klappte im Nachhinein.

Apropos Trainer - da hat Pfohl in seinem jungen Alter schon einige bekannte kennenlernen dürfen: Zu seiner DNL-Zeit in Düsseldorf kümmerte sich ein gewisser Christof Kreutzer um den Youngster. Dass ausgerechnet Kreutzer und Pfohl in der Vor-Saison bei der „Gala des deutschen Eishockeys“ in Straubing gemeinsam auf dem Treppchen stehen durften – Pfohl als Rookie und Kreutzer als Trainer des Jahres – hätten wohl die wenigsten erwartet.

Unter Franz Fritzmeier, heute Cheftrainer bei Freitagsgegner Krefeld, drehte Pfohl in Duisburg so richtig auf. Das blieb auch Uwe Krupp nicht verborgen, der den Wirbelwind als Förderlizenz-Spieler für einige Spiele bei den Kölner Haien auflaufen ließ und ihm sogar einen CHL-Einsatz gewährte. Bei Pat Cortina, heute in Schwenningen, gehörte der Stürmer zu den Teamleadern in der U20-Nationalmannschaft.

Pfohl weiß, dass er weiter an sich arbeiten muss. Das will er auch. Schließlich ist ihm bewusst, dass Talent allein nicht reicht. Natürlich lautet das Ziel, eines Tages in der Herren-Nationalmannschaft zu spielen und bei  einer WM den Adler auf dem Trikot zu tragen.

Eine gewisse Erfahrung hat er in dieser Hinsicht schon – und dieses Erlebnis wird er nicht vergessen: Im Dezember 2014 stand Pfohl bei der Junioren-WM in Kanada für die deutsche U20-Auswahl gegen den Gastgeber auf dem Eis. Trotz der damaligen 0:4-Niederlage im „Centre Bell“ von Montreal, der Heimstätte der Canadiens, ein Wahnsinnserlebnis. „Vor so vielen Zuschauern im Mutterland des Eishockeys auflaufen zu können, das war schon überragend.“

Und schon kehrt es wieder ins Gesicht zurück, dieses freche Lächeln …