Nationalmannschaft

11. November 2018

Ein Lächeln zum Abschied

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

Mit dem heutigen Spiel im Krefelder KönigPALAST gegen die Slowakei endet die Ära Marco Sturm beim DEB nach drei Jahren und vier Monaten

Rückblick. Es war der 10. Juli 2015, als der Deutsche Eishockey-Bund e.V. (DEB) mit der Verpflichtung des 36 Jahre jungen deutschen NHL-Rekordspielers Marco Sturm als neuer Bundestrainer und General Manager Eishockey-Deutschland überraschte. Zuvor hatte Pat Cortina das Team betreut, aber nicht die gewünschten Erfolge erzielt. Der DEB sah sich also zum Handeln gezwungen.

„Ich bin sehr stolz, dass der DEB mir diese große Verantwortung überträgt und freue mich riesig auf die herausfordernde, aufregende Aufgabe und gehe sie hochmotiviert an. Schließlich wollen wir das deutsche Eishockey gemeinsam nach vorne bringen”, sagt Sturm im damaligen Sommer. Und Franz Reindl ergänzte: „Wir erhoffen uns von seiner Verpflichtung einen wichtigen, emotionalen Impuls für unsere Nationalmannschaft.“

Fast genau drei Jahre und vier Monate später endet mit dem heutigen Tag eine Ära, die schon längst in die Geschichte eingegangen ist. Noch ein letztes Mal steht Marco Sturm als Trainer an der Bande, wenn die Nationalmannschaft zum Abschluss des Deutschland Cup in Krefeld um 14.30 Uhr auf die Slowakei trifft. Für Sturm, seine Weggefährten und auch für die Spieler eine durchaus emotionale Sache, so viel ist sicher.

Seit Sturms Amtsübernehme am besagten Tag im Sommer 2015 ging es mit den deutschen Eishockey bergauf. Zu Beginn gewann er gleich den Deutschland Cup, es folgte der fast sensationelle Einzug ins Viertelfinale bei der WM 2016 in Russland, wo man ausgerechnet dem Topfavoriten und Gastgeber unterlag. Ein Jahr später, bei der Heim-WM in Köln, erreichte die DEB-Auswahl wieder die Runde der letzten Acht. Kanadas Starensemble erwies sich in der Köln als einen Ticken stärker.

Wer glaubte, dass der neue Bundestrainer mit dieser Quote zufrieden sei, sah sich allerdings getäuscht. 2016 monierte er nach dem Aus gegen Russland (1:4): „Man kann natürlich gegen die Russen in deren Heimat verlieren, keine Frage, aber wir können besser spielen und haben das eben nicht gezeigt. Daran müssen wir, bei allem stolz über das Erreichte, in Zukunft arbeiten.“ Was Sturm damit meinte: Nur, weil man nach Jahren der Tristesse wieder einen Achtungserfolg verbuchen konnte, solle sich ja keine Selbstzufriedenheit in den Köpfen einstellen.

In Köln feierten nur ein Jahr später die deutschen Fans Leon Draisaitl und Co. trotz des Ausscheidens gegen Kanada. Der Bundestrainer lobte seine Jungs hinterher, gab aber trotzdem zu bedenken, dass man eine Chance, nämlich das Halbfinale, letztlich vertan hätte. „Kanada war stark, aber wir müssen mutiger Eishockey spielen“, sagte Sturm nicht ganz zufrieden. Auch diesmal wollte er mehr und sah das Potenzial in seinem Kader noch lange nicht ausgeschöpft.

Er sollte mit dieser Einstellung, die er seinen Spielern immer wieder einimpfte, Erfolg haben. Der Gewinn der Olympischen Silbermedaille im Februar 2018 war der größte Erfolg des deutschen Eishockeys. Sturm und seine Jungs hatten es geschafft, eine neue Euphorie zu entfachen und zumindest für ein paar Wochen König Fußball Konkurrenz zu machen. Nicht die Neuers, Müllers oder Löws waren die Stars, sondern die Ehroffs, Reimers und Sturms.

Heute also schließt sich der Kreis. Eine Chance auf den Sieg beim Heimturnier besteht nicht mehr. Zwei Mal unterlag das deutsche Team in den ersten beiden Spielen. Einmal nach Verlängerung gegen Russland, gestern nach Penaltyschießen gegen die Schweiz. Niederlagen gehören dazu, sagte Sturm, „aber die Art und Weise, wie wir uns präsentiert haben, ist mir wichtig. Das haben die Jungs in diesem Turnier super gemacht.“ Ein wichtiger Ratschlag für die Zukunft.

Noch einmal kann er heute mindestens 60 Minuten mit seinen Spielern und den deutschen Fans genießen. Noch einmal Anweisungen geben, noch einmal alles aus sich herausholen. Ein neues Abenteuer, nämlich das in Los Angeles, beginnt für Marco Sturm mit dem Ertönen der Schlusssirene im KönigPALAST. Es könnte emotional enden. „Das ist schon ein komisches Gefühl, das muss ich zugeben“, sagte der scheidende Coach und lächelt. So wie immer. Aber diesmal eben zum Abschied.